Waldbrände in Sizilien

Waldbrände sind in Sizilien keine Seltenheit, vor allem nicht dort, wo die Olivenbäume von il circolo wachsen. Geschwärzte Landstriche oder gar ganze Hügel erinnern uns an die verheerenden Momente, in denen Feuer uns alle in dieser Region um unsere Existenz hat bangen lassen. Das mediterrane Klima sorgt für heiße und sehr trockene Sommer. Unsere Olivenbäume haben damit kein Problem, aber es besteht die Gefahr von Waldbränden. Wir sind gut vorbereitet und behalten alle Ereignisse im Blick. Aber warum genau gibt es so viele Waldbrände und wie geht Sizilien mit den Waldbränden um?

Waldbrände im Sommer gehören zur Norm. Und irgendwo auf der Welt brennt immer Feuer. Jedoch werden diese Waldbrände normalerweise erst in den Nachrichten genannt,  wenn das Feuer in unmittelbarer Nähe von Menschen ist. Dadurch könnte der Eindruck erweckt werden, dass es beispielsweise in Europa mittlerweile mehr Waldbrände gibt als sonst. Aber es ist nicht nur Europa – viele Orte, an denen es heiß und trocken ist, leiden darunter. Die Waldbrände in Kalifornien in den USA oder Australien sind oft in den Nachrichten, weil sie sehr groß sind. Aber auch in Ländern, von denen man weniger hört, gibt es riesige Brände, so zum Besipiel in Russland (insbesondere in den Weiten Sibiriens), Kanada, Sambia, Angola und Brasilien.

Verbrannte Fläche in Italien 1980-2019, pro Jahr in Hektar, basierend auf Daten der Europäischen Umweltagentur (European Environment Agency)

Was verursacht Waldbrände im Mittelmeerraum?

Die meisten Waldbrände in Europa werden von Menschen verursacht, oft unbeabsichtigt, manchmal absichtlich. Nur ein sehr kleiner Prozentsatz hat einen natürlichen Ursprung, wie durch Blitze entzündete Feuer. Es geht uns nicht darum, über die Ursachen zu spekulieren, sondern zu sehen, wie wir daraus lernen und uns auf die Prävention konzentrieren können.(1)
Der Mittelmeerraum hat eine komplizierte Beziehung zu Bränden in der Natur. Dies liegt daran, dass einige Brände in einem Ökosystem unerlässlich sind, um beispielsweise Schadinsekten und Krankheiten zu bekämpfen. Und auch zum Beispiel, um Blätter, Äste und andere Biomasse wegzuschaffen, damit für zukünftige Brände weniger Brennstoff vorhanden ist, sodass diese weniger groß werden.
Die großen Waldbrände, über die in den Nachrichten gesprochen wird, sind für die Natur normalerweise schädlich. Die Schäden, die Brände verursachen, sind nicht in erster Linie wirtschaftlicher Natur, sondern vor allem schlecht für die Luft- und Wasserqualität, die Biodiversität, den Boden und das Landschaftsbild.(2)

Quelle: European Environment Agency. Forest Fires in Europe

Oft wird angenommen, dass Waldbrände als Folge des Klimawandels entstehen. Dies ist jedoch nicht der Fall, da es im Sommer schon immer Brände gab. Jedoch wird erwartet und ist zu erkennen, dass diese Waldbrände durch die globale Erwärmung extremer werden. Zudem ist zu erwarten, dass sich die Waldbrände von den Mittelmeergebieten nach Norden verlagern und zunehmend in Gebieten mit gemäßigtem Kontinentalklima, wie unserem in Deutschland, auftreten. Der Klimawandel macht das Problem der Waldbrände sichtlich dringlicher.(1) Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur wird das Überschreiten der 2 Grad Celsius Marke (Maximum der Erderwärmung als Ziel der internationalen Klimapolitik) vor allem in südlichen Ländern zu vermehrten Feuern führen (mittleres Bild). In einem Szenario für sehr hohe Emissionen ist diese Gefahr deutlich verstärkt in ganz Europa (rechtes Bild). Schon Anfang August dieses Jahres überstieg die Durchschnittsfläche verbrannter Hektar in Italien das Vierfache im Vergleich zu dem letzten Jahrzehnt laut “European Forest Fire Information System” (EFFIS). (7)

Lokaler Kontext

In Sizilien gibt es weitere Faktoren, die zum Vorkommen von Waldbränden beitragen. Im Zeitraum zwischen 1955 (42,6 %) und 2016 (35,5 %) nahm die landwirtschaftliche Nutzfläche – hauptsächlich Weizen, Weinberge und Olivenhaine – mit einem relativen Rückgang von 20,2 % ab. Der Rückgang der landwirtschaftlichen Flächen kann mit der sozioökonomischen und demografischen Dynamik in Verbindung gebracht werden, die Sizilien und ganz Süditalien in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bis in 1970er Jahre geprägt hat. Sie führte einerseits zu einer Abwanderung der sizilianischen Landbevölkerung in die städtischen Zentren und andere, wirtschaftlich besser entwickelte Orte (Norditalien, Nordeuropa und Amerika). Andererseits führte sie zu einem Rückgang der Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Personen, infolge der Beschäftigung in anderen Wirtschaftsbereichen, der Industrie und im Dienstleistungssektor.(8)
Aufgrund dieser Abwanderung werden viele alte Olivenhaine aufgegeben. Das Land wird vernachlässigt. Für die notwendigen Unterhaltsarbeiten und um Brandschutzmaßnahmen zu treffen, ist niemand anwesend. Traditionelle Bauernhöfe und Ackerland befinden sich oft an schwer zugänglichen Orten, abseits von Großstädten oder Dörfern. Dies macht verlassene Anwesen zu einer Brandgefahr für das gesamte Gebiet. Die durch die Brände verursachten Schäden auf diesen Flächen sind so groß, dass sie nicht einfach durch die Anpflanzung von Wäldern und Unterholz ausgeglichen werden können.

Was wird bei Waldbränden getan? 

Für die Bekämpfung von Waldbränden ist das ‘Comando Unità Forestali, Ambientale e Agroalimentari (CUFAA)’ zuständig. Es handelt sich um eine Spezialeinheit des italienischen Carabinieri-Korps, die seit dem 1. Januar 2017 das Personal und die Aufgaben der staatlichen Forstverwaltung übernommen hat. Sie ist auf den Schutz von Boden, Wasser und Umwelt spezialisiert und befasst sich auch mit der Sicherheit und den Kontrollen im Agrar- und Ernährungssektor. Zur Bekämpfung von Waldbränden in Sizilien werden die “carabinieri forestali” der CUFAA eingesetzt. Sie verfügen über eine kleine Anzahl von Canadair-Flugzeugen und -Hubschraubern.

Auch die Feuerwehr ist in Sizilien bei der Brandbekämpfung von großer Relevanz. Sie legt fest, was die Menschen tun müssen, um sich vor dem Feuer zu schützen. Normalerweise werden die Menschen aufgefordert, drinnen zu bleiben und Fenster und Türen zu schließen. Wenn das Feuer zu stark wird oder nicht unter Kontrolle gebracht werden kann, wird Evakuierung notwendig. Die Bewohner wissen in solchen Fällen sehr gut, was sie tun müssen, da sie mit Feuern aufgewachsen sind. Was in einer beliebten Urlaubsregion wie Sizilien Evakuierungen manchmal erschwert, sind die Touristen. Sie sind diese Brände nicht gewöhnt und geraten daher schneller in Panik. (2)

Die Relevanz von Freiwilligen

Die Berufsfeuerwehr ist nicht allein im Kampf gegen Feuer. Die Einheimischen haben vielerorts Freiwillige Feuerwehren und andere Möglichkeiten, um Feuer zu bekämpfen und sich gegenseitig zu warnen. Diese Freiwilligen Feuerwehren, wie zum Beispiel das ‘Movimento Anti Incendio (MAI)’ im südlichen Sizilien, sind Gruppen, die mehr tun, als nur ihre Häuser zu schützen. Diese Gruppen arbeiten oft das ganze Jahr über, um alles im Blick zu haben und die Sicherheit so gut wie möglich zu gewährleisten. Darüber hinaus arbeiten sie ähnlich wie reguläre Feuerwehrleute, um Zivilisten in Sicherheit zu bringen und das Feuer zu löschen. (3)
Auch offizielle Kanäle werden von (lokalen) Communities genutzt, um sich gegenseitig vor Waldbränden zu warnen, etwa über Facebook-Gruppen oder WhatsApp. Wenn die Feuerwehr alle Hände voll zu tun hat, um Feuer zu löschen, helfen sich die Bewohner gegenseitig, ihr Hab und Gut zu schützen. Wissenschaftlern zufolge funktioniert dieser Bottom-up-Ansatz am besten. Das bedeutet, dass die Politik mit und von den einfachen Leuten gemacht wird und nicht nur von der Regierung. (4)

Wie können Waldbrände verhindert werden?

Waldbrände zu verhindern ist nicht einfach. Einige Wissenschaftler sagen, dass Politik, die der Landflucht entgegenwirkt und die traditionelle Landwirtschaft fördert, der einzige Weg ist, um die biologische Vielfalt zu erhalten. (3) Somit gilt es herauszufinden, warum Menschen vom Land flüchten und wie das ländliche Leben attraktiver gestaltet werden kann. Das Verständnis für lokale Strukturen und Kontext hat hier große Priorität. Wenn Probleme nicht auf lokaler Ebene analysiert werden, besteht die Möglichkeit, dass die Politik wenig bewirkt. (5) Schliesslich liegen nicht alle Standorte an einem steilen Hang und hat nicht jedes Dorf einen gravierenden Mangel an Arbeitsplätzen. Es erfordert die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Sektoren, um die Situation wirklich zu verbessern.

Auch ForscherInnen beschäftigen sich damit, wie auf andere Weise mit der Feuergefahr umgegangen werde kann:

  • Feuer sollte an Orten und zu Zeiten zugelassen werden, zu denen es risikolos möglich ist. In den Niederlanden hat man zum Beispiel aus der Wasserwirtschaft gelernt: dem Fluss Platz machen, manchmal Gebiete überfluten lassen und gewisse Risiken in Kauf nehmen. Wendet man dieses Prinzip auf Waldbrände an, heißt das zum Beispiel, Brände dort zuzulassen, wo keine Gefahr für Mensch, Natur oder wichtige Infrastruktur besteht.
    Oder man lässt Feuer zu Zeiten zu, zu denen der Boden noch nass ist und das Feuer kontrolliert wüten und im gewünschten Moment gestoppt werden kann – zum Beispiel im Frühjahr. Feuer muss nicht schlecht sein und ist manchmal sogar essentiell für ein Ökosystem, zum Beispiel, um Äste und andere Biomasse aufzuräumen, damit für zukünftige Brände weniger Brennstoff vorhanden ist, sodass diese weniger groß werden können.
  • Nicht nur kurzfristige, sondern auch langfristige Bemühungen sollten angestrebt werden, um eine Verminderung von Waldbränden auf lange Sicht zu erzielen;
  • Eine Vorbereitung der Bevölkerung auf ungeplante/unerwartete Brände ist essentiell, damit Verständnis herrscht, dafür was bei einem Waldbrand zu tun ist. Je besser man im Brandfall weiß, was zu tun ist, desto schneller können die richtigen Schritte eingeleitet werden.

Was tut Il circolo, um Feuer zu verhindern?

Waldbrände sind in der Gegend, in der die Olivenbäume von il circolo wachsen, keine Seltenheit. Es ist ein Albtraum für jede LandwirtIn. Gute Pflege ist daher kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Daran erinnern die geschwärzten Landstriche oder manchmal sogar ganze Hügel. Und auch, dass man sich dafür gegenseitig braucht. Brandschutzmaßnahmen auf dem eigenen Grundstück machen wenig Sinn, wenn die Nachbarn nicht ebensolche Maßnahmen ergreifen.

  • Zum einen achten wir darauf, dass im Sommer keine Bodendecker zwischen den Olivenbäumen wachsen. Im Sommer sieht der Olivenhain ziemlich kahl aus, wofür wir bewusst sorgen. Kleine Pflanzen würden aufgrund der Hitze und anhaltender Trockenheit verdorren und zu Heu werden. Dies ist sehr brandgefährlich. Deshalb pflügen wir den Boden Anfang Mai sanft um, bevor die Pflanzen verdorren und eine Brandgefahr für die Bäume darstellen. Tatsächlich sind sie gute Nahrung für die Bäume.
  • Zweitens behalten wir den Schnitt der Olivenbäume genau im Auge. Dies ist wichtig, um ein Überwachsen zu verhindern und abgestorbene, verdorrte Äste und Blätter zu entfernen, die sonst als Brennstoff für Feuer dienen könnten.
  • Darüber hinaus wurden auf dem Grundstück bewusst Freiräume geschaffen, die als Brandschneisen dienen. Dadurch wird verhindert, dass sich das Feuer leicht von einem Abschnitt zum anderen ausbreitet, und somit aufgrund von Brennstoffmangel erlischt.

Quellen: 

  1. Cathelijne Stoof. NPO radio 1. Hoe kunnen we in de toekomst omgaan met bosbranden?. 1 augustus 2021. 
  2. European Environment Agency. (2021) Forest fires in Europe. 
  3. Vaiciulyte, S., Galea, E. R., Veeraswamy, A. & Hulse, L. M. (2019). Island vulnerability and resilience to wildfires: A case study of Corsica. International Journal of Disaster Risk Reduction, 40, 1-13.
  4. Moreira, F. & Russo.(2007)  Modelling the impact of agricultural abandonment and wildfires on vertebrate diversity in Mediterranean Europe, Landscape Ecology, 22, 1461 – 1476.
  5. Górriz-Mifsud, E., Burns, M. & Marini Govigl, V. (2019). Civil society engaged in wildfires: Mediterranean forest fire volunteer groupings.Forest policy and Economics, 102, 119-129.
  6. European Commission. (2018). Agricultural land abandonment in the EU within 2015-2030. JRC policy insights, 1-7. 
  7. Collini, F. (2021). Feuerkatastrophe in Italien. Spiegel Online
  8. Bazan, G., Castrorao Barba, A., Rotolo, A. et al. Geobotanical approach to detect land-use change of a Mediterranean landscape: a case study in Central-Western Sicily. GeoJournal 84, 795–811 (2019).

 

 

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